Man könnte sagen, dass alles mit Pikachu angefangen hat. Im Sommer 2016 explodierte die Beliebtheit des mobilen Spiels Pokémon Go. Augmented Reality (AR) war Mainstream geworden, und es dauerte nicht lange, bis AR-Filter und -Linsen unter Snapchat- und Instagram-Benutzer:innen verbreitet wurden. Heute ist AR viel mehr als nur Spiel und Spaß. Für zukunftsorientierte Marken und Einzelhändler stellt Augmented Reality eine spannende und lukrative neue Grenze dar – ein globaler Markt, der bis 2028 voraussichtlich über 250 Milliarden USD umfassen wird und auf dem hochgradig personalisierte Kundenerlebnisse per Fingertipp auf einem Mobilgerät bereitgestellt werden können.

Was ist Augmented Reality?

Laut Gartner ist Augmented Reality (AR) die Echtzeit-Nutzung von Informationen in Form von Text, Grafiken, Audio und anderen virtuellen Verbesserungen, die mit realen Objekten integriert sind. Es ist dieses „reale“ Element, das AR von Virtual Reality unterscheidet.

Augmented Reality und Virtual Reality

Während Virtual Reality (VR) eine künstliche Welt schafft, die die Benutzer:innen über ein Headset erforschen können, erfordert ein AR-Erlebnis in den meisten Fällen nur ein Smartphone und den Zugriff auf die App der Kampagne. Dadurch wird es für Marken viel einfacher, diese Option als Teil ihrer Omnichannel-Strategie zu nutzen.

Verbesserung des Omnichannel-Erlebnisses mit AR

Durch die Schaffung eines immersiven Erlebnisses, das auf der einzigartigen Umgebung einer Kundin oder eines Kunden basiert, erreicht AR den heiligen Gral des Omnichannel-Marketings – die Kundenzentrierung. Durch Augmented Reality können Unternehmen auf einer tieferen Ebene mit Kund:innen interagieren, was wiederum den Verbraucher:innen das Vertrauen und die Sicherheit gibt, die sie brauchen, um zu konvertieren. Untersuchungen von NielsenIQ zeigen, dass 64 % der Kund:innen AR als die führende Technologie zur Unterstützung, Verstärkung und Verbesserung ihres täglichen Lebens ansehen, während 51 % der Befragten angeben, dass sie bereit sind, AR-Technologie zu verwenden, um Produkte vor dem Kauf zu bewerten.

Erst ausprobieren, dann kaufen

Wenn Sie Möbel kaufen, versuchen Sie in der Regel, so viele Informationen wie möglich über das Produkt zu sammeln, bevor Sie sich zum Kauf entschließen – zum Beispiel über Stil, Abmessungen, Farbe. Doch die Möglichkeit, zu sehen, wie sich das Möbelstück in Ihrem Wohnraum machen wird, kann völlig neue Optionen eröffnen. Eine Studie von Apple hat ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit um das 11-fache steigt, dass Verbraucher:innen Möbel kaufen, wenn sie AR verwenden können, um zu sehen, wie es in ihr Zuhause passt. Derweil vermelden Einrichtungsunternehmen einen Rückgang der Retouren um 20 %, wenn die Verbraucher:innen die Produkte mit AR erleben können.

Bei der Integration in eine Omnichannel-Strategie überbrücken AR-gestützte Interaktionen die Lücke zwischen dem Zuhause einer Kundin oder eines Kunden und dem Geschäft sowie zwischen Online- und Offline-Erlebnissen. Durch den Einsatz von KI und maschinellem Lernen können Einzelhändler das Erlebnis weiter verbessern, indem sie relevante und personalisierte Produktempfehlungen geben.

So nutzt Social Commerce die AR-Technologie

Social-Media-Plattformen nutzen die Veränderungen im Verbraucherverhalten nach der Pandemie aus und integrieren AR-Technologie nahtlos ins Social-Commerce-Erlebnis, das sie ihren Benutzer:innen bieten.

Mit der Funktion „Try On for Home Décor“ von Pinterest können Benutzer:innen mit der Pinterest Lens-Kamera Artikel aus 80.000 einkaufsfähigen Pins virtuell in ihrem Zuhause platzieren. Laut der Plattform ist die Wahrscheinlichkeit, dass Pinner bei Try-On-fähigen Pins kaufen, fünfmal höher als bei Standardpins.

Im Februar 2022 gab Snapchat bekannt, dass seine kataloggestützte Shopping Lens für den Partner Ulta Beauty über einen Zeitraum von zwei Wochen einen Umsatz von 6 Millionen USD und 30 Millionen Produkt-Try-ons generierte, während MAC Cosmetics 17 Mal mehr Käufe bei Frauen und über 1,3 Millionen AR-Try-ons verzeichnete. Die soziale Plattform bietet Marken jetzt eine Reihe von AR-Tools an, mit denen sie 3D-Modelle von Produkten erstellen, Assets für AR-Try-on-Erlebnisse mit Snapchat Lens generieren und AR-Einkaufsvorlagen von Snap verwenden können, um ihren Produktkatalog zu importieren und AR-Lenses für Einkaufskataloge zu erstellen.

Die Chance für den phygitalen Einzelhandel

Im stationären Handel bietet die AR-Technologie Marken die Möglichkeit, die Grenzen zwischen physischen und digitalen Erlebnissen zu verwischen und die drei Faktoren der phygitalen Strategie zu erfüllen: Immersion, Unmittelbarkeit und Interaktion. Und die Möglichkeiten für kreative Konzepte scheinen unbegrenzt. Ein Beispiel ist die Kampagne von Nike, das 2021 im Flagship-Store „House of Innovation“ in New York Kund:innen mit einem immersiven Erlebnis begeisterte, das eine Nachbildung des Smith Rock State Park in Oregon umfasste. Die Benutzer:innen wurden aufgefordert, mit ihren Smartphones QR-Codes zu scannen, um auf eine Karte, eine Checkliste mit Aktivitäten und AR-Visualisierungen zuzugreifen, und erhielten physische und virtuelle Anreize.

Der iGA Istanbul Airport hat kürzlich einen AR-gestützten Service in seiner mobilen App eingeführt, der den Fluggästen Sonderangebote und Rabattcodes in Flughafenfilialen bietet. Die Fluggäste loggen sich einfach in die Istanbul Airport App ein und wählen den Tab AR. Eine virtuelle Figur namens CiGA begleitet sie dann auf ihrem Weg, und wenn sie sich einem Geschäft nähern, erscheint der Name des Geschäfts als Pop-up und enthält Details zu Sonderangeboten und Werbeaktionen.

Die neue Realität annehmen

Ob innerhalb einer App, als Teil Ihres Social Commerce oder in einer phygitalen Situation – Augmented Reality hat das Potenzial, das Verbrauchererlebnis zu revolutionieren, und das in einer Vielzahl von Branchen, von Mode und Einzelhandel bis zur Automobilindustrie, Immobilien, Entertainment und Reisen. Marken, die diese Chance ergreifen, gewinnen nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern signalisieren auch ihre Absicht, echte und dauerhafte Kundenbeziehungen aufzubauen.

Erfahren Sie mehr über den Aufstieg des Social Commerce oder erfahren Sie, wie Sie Ihre Omnichannel-Commerce-Strategie mit unserem Leitfaden zum Omnichannel-Commerce ankurbeln können.

Fiona Hilliard ist Content Marketing Manager bei Sitecore. Vernetzen Sie sich mit ihr auf LinkedIn.